26. Bundesjungzüchterwettbewerb auf dem Haupt- und Landgestüt Marbach

Meister für fünf Tage

Am Wochenende vom 7. bis 9. Juni 2024 reiste unser Jungzüchterteam „Pony Bayern“ gemeinsam mit dem Team des Bayerischen Landesverbandes zum 26. Bundesjungzüchterwettbewerb auf dem Haupt- und Landgestüt Marbach. Für uns aus dem Süden war die Schwäbische Alb im benachbarten Baden-Württemberg eine willkommene Erleichterung in Sachen Fahrtzeit. Unsere erfahrenen Jungzüchter-Oldies Denise Biedermann und Stefanie Abel begleiteten das Team und unterstützten die Mannschaft mit ihrer Betreuung und ihrem Coaching.

Am Freitag, nach dem Einzug in die historische Reithalle, begannen die ersten beiden Teilwettbewerbe: Theorie und Lineare Beschreibung des Freispringens. Erstmals fanden in diesem Jahr sowohl die linearen Beschreibungen als auch die Theorie online über eine speziell programmierte Jungzüchter-App statt. Im letzten Jahr gab es noch technische Probleme, aber diesmal sollte alles reibungslos funktionieren – so dachten wir zumindest. Doch dazu später mehr. Eine Outdoor-Party bei mildem Wetter rundete den gelungenen Start in den Wettbewerb ab.

Am Samstag ging es mit der Königsdisziplin, dem Mustern, weiter. Während die Teilnehmer einer Altersklasse die Pferde auf der Dreiecksbahn vorstellten, absolvierte die andere Altersklasse die Lineare Beschreibung des Exterieurs. Ein Gewitterschauer mit zentimetergroßen Hagelkörnern unterbrach das Mustern abrupt. Zum Glück kam niemand ernsthaft zu Schaden, nur drei tapfere Teammitglieder wurden komplett durchnässt, während sie bei der Evakuierung der Pferde halfen. Der Wettbewerb wurde in die große Halle verlegt, sodass alle Teilnehmer ihre Vorstellung abschließen konnten.

Am Samstagabend wurden schließlich die Ergebnisse bekannt gegeben:

In der Altersklasse I (14 – 18 Jahre) gingen Lea Mosch, Lilly Kurth und Tamia Kurth an den Start. Tamia belegte mit einem 5. Platz in der Theorie und einem 2. Platz bei der Exterieur-Beschreibung einen hervorragenden 7. Platz in der Gesamtwertung aller AK I Teilnehmer.

In der Altersklasse II (19 – 25 Jahre) traten Theresa Mayer, Franziska Schwarz und Tim Biber an. Theresa und Franzi verpassten knapp die Platzierung mit einem gemeinsamen 11. Platz im Vormustern. Tim erreichte Platz 6 im Vormustern, Platz 7 in der Theorie, Platz 7 im Freispringen und Platz 5 bei der Exterieur-Beschreibung. Schließlich ertönte sein Name als letztes bei der Gesamtwertung und so wurde er Gesamtsieger über beide Altersklassen hinweg. Unser Tim wurde DEUTSCHER MEISTER – ein unglaublicher Moment, kann das wahr sein?

Obwohl Tim dieses Jahr noch in der Altersklasse I hätte starten können, musste er wegen Teilnehmermangels in die höhere Altersklasse II wechseln. Er setzte sich gegen die erfahrenere Konkurrenz bei schwierigeren Fragen in der Theorie durch. Wir feierten unser ersten Pony Bayern-Sieger gebührend mit einer Meistertaufe im Stutenbrunnen, einer langen Siegesfeier, Jubel und Freudentränen.

Doch wir hatten nicht nur einzelne Erfolge zu feiern. Dank der hervorragenden Leistungen aller Teammitglieder erreichten wir in der Teamwertung der Altersklasse I den 7. Platz und in der Altersklasse II einen herausragenden 3. Platz auf dem Siegertreppchen. In der gemeinsamen Wertung über beide Altersklassen hinweg belegte Pony Bayern den vierten Platz.

WIR PLATZEN VOR STOLZ! Wir verkündeten allen die frohe Botschaft und fuhren mehr als zufrieden und erschöpft nach Hause.

Und dann, vier Tage später, platzten nicht nur wir, sondern auch unser großer Traum. Bei der App hatten sich Fehler bei einer Theoriefrage und allgemein bei der Gesamtpunkteanzahl eingeschlichen. Die App hatte alle Punkte addiert und nicht wie üblich bei der linearen Beschreibung die Gesamtsumme durch die Anzahl der bewerteten Pferde geteilt, um einen Mittelwert zu erzeugen. So rutschte unser strahlender Sieger auf Platz vier und damit im Nachhinein vom Treppchen. Die Enttäuschung war groß, die Emotionen kochten hoch, besonders bei uns Teamcoaches. Aus Freudentränen wurden Tränen der Enttäuschung. Doch mit etwas Abstand betrachtet, gibt es jetzt für uns zwei an der Spitze: die rechtmäßige Siegerin aus Rheinland-Pfalz-Saar, der wir von ganzem Herzen gratulieren, und unseren ersten Deutschen Meister aus dem Lager der Pony Jungzüchter Bayern – auch wenn es nur für fünf Tage war. Das kann unserem Tim keiner nehmen. Für uns wird er immer der Sieger bleiben, da wir im Team erkannt haben, dass gefeierter Erfolg mehr ist als nur ein paar gedruckte Zahlen auf einem weißen Blatt Papier.

Besonders schön war zu sehen, dass der größte Leitgedanke während des Wettbewerbs erfüllt wurde: Freundschaften zu schließen und das eigene Pferde-Netzwerk zu vergrößern. Unsere Jungzüchter mischten sich schnell unter die Teilnehmer der anderen Verbände, um sich auszutauschen und voneinander zu lernen. Gesunde Konkurrenz ja, aber spätestens bei den abendlichen Feiern lagen sich alle in den Armen. Wir Pony Jungzüchter haben mehr als einmal bewiesen, was wir können, und werden schon lange nicht mehr belächelt. „Nur Pony“ sagt keiner mehr.

Trotz allem möchten wir uns bei dem ausrichtenden Verband Baden-Württemberg für diesen sehr fairen und bestens organisierten Wettbewerb bedanken. Dank gebührt auch dem Gestüt Marbach, das uns herzlich willkommen hieß und große Gastfreundschaft zeigte. Die Anlage war mit ihren kurzen Wegen, den vielen Schauplätzen und der Nähe zu den Pferdeställen und -weiden, wo Fohlenkuscheln erlaubt war und interessante Besichtigungen stattfanden, einfach traumhaft.

 

Denise Biedermann, Teamcoach & Jungzüchtermutti Pony Bayern

 

Fotos: Nicole Hölle und Denise Biedermann

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