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RICHTLINIEN FÜR DIE VERLEIHUNG DES PRÄDIKATS "STAATSPRÄMIENSTUTE"


Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten vom 10.04.2017, Az.: L5-7407-1/532

Auf Grund des Art. 17 des Bayerischen Tierzuchtgesetzes (BayTierZG) vom 10. August 1990 (GVBl S. 291, BayRS 7824-1-L), zuletzt geändert durch § 1 Nr. 383 der Verordnung vom 22. Juli 2014 (GVBl S. 286) erlässt das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zur Förderung der bayerischen Pferdezucht durch Verleihung des Prädikats "Staatsprämienstute" an Stuten mit besonders herausragenden Leistungs- und Exterieureigenschaften folgende Richtlinien:

 

Die Verleihung des Prädikats „Staatsprämienstute“ erfolgt in einem zweistufigen Verfahren. In der ersten Stufe werden die besten Stuten eines Eintragungsjahrgangs von der Züchtervereinigung im Rahmen einer Landesschau als "Staatsprämienanwärterin“ ausgewählt. In der zweiten Stufe wird auf Antrag das Prädikat "Staatsprämienstute“ verliehen, wenn die Stute zur Zucht eingesetzt wurde und die Leistungsanforderungen erfüllt hat.

 

1.  Genehmigung zur Durchführung einer landesweiten Schau

Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (Landesanstalt) kann einer staatlich anerkannten Züchtervereinigung auf Antrag die Genehmigung zur Durchführung einer landesweiten Schau mit Vergabe von Staatsprämienanwartschaften erteilen. Die Genehmigung ist bei der Landesanstalt mindestens zwei Wochen vor Durchführung der Schau unter Angabe des Termins und Ortes der Schau schriftlich oder elektronisch zu beantragen. Die Genehmigung kann erteilt werden, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

Die Züchtervereinigung
• ist nach Tierzuchtrecht staatlich anerkannt und in Bayern tätig,
• führt ein genehmigtes Zuchtprogramm für die Rasse(n) durch, die auf der Landesschau
vorgestellt wird/werden,
• hat Unterlagen über die Anzahl der im aktuellen Eintragungsjahr erstmalig eingetragenen
Stuten, getrennt nach Rassen, vorgelegt,
• hat eine Schauordnung vorgelegt, die nach Maßgabe der Ziffern 2 und 3 mindestens folgendes regelt:

o Teilnahmevoraussetzungen der zum Zeitpunkt der landesweiten Schau bei der durchführenden Züchtervereinigung im Zuchtbuch eingetragen Stuten
o Regelungen für Mehrfachvorstellungen
o Beginn und Ende des Eintragungsjahres
o Bewertungskriterien gemäß Zuchtprogramm der jeweiligen Rasse
o Richtverfahren
o Zusammensetzung der Bewertungskommission (Zuchtleiter/in und 2 weitere sachkundige
Personen)
o Zeitpunkt der Bekanntgabe der Stuten, die den Titel „Staatsprämienanwärterin“ erhalten.

 

2.  Vergabe der Staatsprämienanwartschaften

Die Auswahl der Pferde, denen eine Staatsprämienanwartschaft zuerkannt wird, erfolgt auf
der landesweiten Schau der Züchtervereinigung. Die Bewertung und Rangierung der vorgestellten Stuten wird durch die Bewertungskommission vorgenommen.
Die Staatsprämienanwartschaft darf von der durchführenden Züchtervereinigung an nicht
mehr als 20 % der im aktuellen Eintragungsjahr erstmalig eingetragenen Stuten, getrennt
nach Rassen, vergeben werden. Bei Pferderassen, bei denen im gleitenden 5-
Jahresdurchschnitt weniger als 10 Stuten pro Jahr eingetragen werden, ist die Auswahl für die Staatsprämienanwartschaften so zu gestalten, dass die Quote von 20 %, gemessen an der Zahl der erstmals eingetragenen Stuten der Rasse, im gleitenden 5-Jahresdurchschnitt nicht überschritten wird.
Im Rahmen der Schau gibt die Züchtervereinigung öffentlich bekannt, welche Stuten den Titel „Staatsprämienanwärterin“ erhalten.
Die Nachweise über die Vergabe des Titels „Staatsprämienanwärterin“ sind von der Züchtervereinigung innerhalb von 4 Wochen nach Durchführung der Schau bei der Landesanstalt schriftlich oder auf elektronischem Wege zur Überprüfung vorzulegen.
Folgende Unterlagen sind bei der Landesanstalt einzureichen:
• Liste der Stuten, an die eine Anwartschaft vergeben wurde mit Angabe von Name, UELN,
Rasse, Geburtsjahr, Datum der erstmaligen Eintragung
• Ergebnisse der landesweiten Schau mit Rangierung der Stuten.
Die Züchtervereinigung hat zu bestätigen, dass die Voraussetzungen für die Vergabe der
Staatsprämienanwartschaften bei den Stuten, denen eine Staatsprämienanwartschaft zuerkannt wurde, vorlagen.

 

3.  Voraussetzungen für die Vergabe einer Staatsprämienanwartschaft

Die Stute
• ist zum Zeitpunkt der Landesschau im Zuchtbuch der durchführenden Züchtervereinigung
eingetragen,
• gehört einer Rasse an, für die die Züchtervereinigung ein Zuchtprogramm durchführt,
• wird in Bayern gehalten, dabei ist der Betriebssitz, ersatzweise der Hauptwohnsitz des Besitzers der Stute maßgeblich,
• ist im Jahr der Schau höchstens 10 Jahre alt,
• stammt von einer Mutter ab, die im Stutbuch I, bei der Rasse Tinker in der besonderen Abteilung (V), eingetragen ist,
• stammt von einer Mutter ab, die ein Ergebnis der Eigenleistungsprüfung von 6,5 oder besser (Islandpferd: FIZO 7,5) aufweist oder hat selbst, sofern die Mutter zum Zeitpunkt der
landesweiten Schau keine Eigenleistungsprüfung absolviert hat oder die Endnote der Eigenleistungsprüfung der Mutter unter 6,5 liegt, bis zum Zeitpunkt der landesweiten Schau
eine Eigenleistungsprüfung mit einer Endnote von 7,0 oder besser (Reitpferd) bzw. 6,5 oder
besser (andere Rassen), bzw. FIZO 7,5 (Islandpferd) abgelegt oder äquivalente Leistungen
im Turniersport nachgewiesen,
• hat zum Zeitpunkt der Vorstellung auf der landesweiten Schau eine Eigenleistungs-prüfung
mit einer Endnote von 7,0 oder besser (Islandpferd: FIZO 7,5) abgelegt oder äquivalente
Leistungen über den Turniersport nachgewiesen, falls sie sechsjährig oder älter vorgestellt
wird,
• wurde auf der Landesschau vorgestellt und zählt zu den besten 20 % Stuten ihrer Rasse
gemäß Nr. 2 dieser Richtlinien.
• Bei Reitpferdestuten, die vom Besitzer zum Zeitpunkt der Stutbuchaufnahme als springbetont gemeldet worden sind, ist bei der Landesschau ein Freispringen zu absolvieren. Das Ergebnis des Freispringens wird bei der Vergabe der Staatsprämienanwartschaft berücksichtigt.
 

4. Verleihung von Staatsprämien

Das Prädikat „Staatsprämienstute“ wird von der Landesanstalt auf Antrag des Besitzers der
Stute durch Urkunde verliehen, wenn Nachweise darüber vorgelegt wurden, dass
• der Stute die Staatsprämienanwartschaft zugesprochen wurde,
• die Stute zum Zeitpunkt der Beantragung des Titels „Staatsprämienstute“ bei der Züchtervereinigung, die die Vergabe der Staatsprämienanwartschaft durchgeführt hat, im Zuchtbuch eingetragen ist,
• die Stute in Bayern gehalten wird, dabei ist der Betriebssitz, ersatzweise der Hauptwohnsitz
des Besitzers der Stute maßgeblich,
• die Staatsprämienanwärterin die Eigenleistungsprüfung bei Reitpferdestuten mit der Endnote 7,0 oder besser, bei allen übrigen Rassen 6,5 oder besser (Islandpferd: FIZO 7,5)
abgelegt oder äquivalente Leistungen über den Turniersport nachgewiesen hat,
• die Staatsprämienanwärterin mindestens eine Abfohlung erbracht hat. Das Fohlen muss
bei der betreffenden Züchtervereinigung registriert sein. Sofern das Fohlen nach der Geburt
und vor der Registrierung verendet ist, ist dies durch eine tierärztliche Bescheinigung
nachzuweisen.

 

5. Besondere Regelungen für Kleinpferde

Für Kleinpferderassen < 87 cm entfallen die Anforderungen hinsichtlich der Leistungsprüfung
für die Stute selbst und deren Mutter.

 

6. Vorbehalt

Verstößt eine Züchtervereinigung erheblich oder wiederholt gegen diese Richtlinien, insbesondere hinsichtlich der quantitativen Beschränkung der Vergabe von Staatsprämienanwartschaften, kann der Züchtervereinigung von der Landesanstalt die Berechtigung zur Vergabe von Staatsprämienanwartschaften verweigert oder wieder entzogen werden.

 

7. Inkrafttreten

Diese Richtlinien treten am 10.04.2017 in Kraft. Gleichzeitig treten die Richtlinien vom
31.01.2014, Az.: L5-7407-1/207 außer Kraft.


Hubert Bittlmayer
Ministerialdirektor


 

 


SCHAUORDNUNG DER LANDESSCHAU (BZVKS)

 

1. Teilnahmevoraussetzungen einer auf der Landesschau vorgestellten Stute:
Die vorgestellte Stute

muss ein Zuchtpapier einer tierzuchtrechtlich anerkannten Zuchtorganisation haben,
steht im Besitz eines BZVKS-Mitgliedes,
ist im jeweiligen Jahr der Landesschau aktiv im Zuchtbuch der Rasse beim BZVKS eingetragen,

 

 

 

wurde auf einem Sammeltermin des BZVKS mit einer Mindestendnote von 7,2 nominiert (auf Antrag des Besitzers und nach Überprüfung und Genehmigung durch die Zuchtleitung können Stuten zugelassen werden, die auf Hofterminen eingetragen worden sind; außerbayerisch mind. Eintragungsnote von 7,2, innerbayerisch mind. Eintragungsnote von 8,0),
ist im Jahr der Landesschau höchstens 10 Jahre alt,

 

stammt von einer Mutter ab, die im Stutbuch I, bei der Rasse Tinker mindestens in der besonderen Abteilung (V), eingetragen ist,

 

 

 

 

 

 

stammt von einer Mutter ab, die ein Ergebnis der Eigenleistungsprüfung von 6,5 oder besser (Islandpferd: FIZO 7,5) aufweist oder hat selbst, sofern die Mutter zum Zeitpunkt der Landesschau keine Eigenleistungsprüfung absolviert hat, oder die Endnote der Eigenleistungsprüfung der Mutter unter 6,5 liegt, bis zum Zeitpunkt der Landesschau eine Eigenleistungsprüfung mit einer Endnote von 6,5 oder besser, bzw. FIZO 7,5, abgelegt oder äquivalente Leistungen im Turniersport nachgewiesen (sofern beide Voraussetzungen hinsichtlich der Mutter-LP und der Eigenleistungsprüfung der Stute nicht erfüllt sind, kann gem. ZBO im Härtefall ein Antrag des Besitzers auf Zulassung der Stute zur Schau gestellt werden, um den Prädikatsprämientitel zu erhalten),

 

 

hat zum Zeitpunkt der Landesschau eine Eigenleistungsprüfung mit der Endnote von 7,0 oder besser (Islandpferd: FIZO 7,5) abgelegt oder äquivalente Leistungen über den Turniersport nachgewiesen, falls sie sechsjährig oder älter vorgestellt wird, und

 

 

hat, sofern sie den Rassen Shetland Pony, Deutsches Partbred Shetland Pony, Deutsches Classic Pony, Deutsches Reitpony, Fjordpferd angehört, einen Vater, der im Hengstbuch I eingetragen ist (für ausländisch gezogene Stuten gilt: Vater ist in der jeweils höchsten Zuchtbuchklasse eingetragen).

 

 

 

Sofern die Stute um den Titel der Staatsprämienanwartschaft antritt, muss sie selbst die Rassebezeichnung tragen, für die sie im Rahmen der Landesschau vorgestellt wird. Stuten von Äquirassen sind auf der Landesschau teilnahmeberechtigt, können aber lediglich den Titel der Prädikatsstutenanwärterin erhalten.

 

Für Kleinpferderassen unter einem Stockmaß von 87 cm entfallen die Anforderungen hinsichtlich der Leistungsprüfung für die Stuten selbst und deren Mutter.

 

2. Regelungen für Mehrfachvorstellungen:
Stuten, die auf der Landesschau nicht Staatsprämienanwärterin bzw. Prädikatsstute (-anwärterin) geworden sind, können in einem andern Jahr erneut auf der Landesschau vorgestellt werden, sofern sie im Jahr der entsprechenden Landesschau erneut vorgestellt wurden und eine Empfehlung für die Landesschau erhalten haben (mind. 7,2).   

 

3. Beginn und Ende des Eintragungsjahres:
Das Eintragungsjahr beginnt am jeweiligen Tag nach der Landesschau und geht bis zum Tag der nächstjährigen Landesschau.

 

4. Zusammensetzung der Bewertungskommission:
Die Bewertungskommission besteht aus dem Zuchtleiter oder dessen Vertreter, dem rasseentsprechenden Leiter der Körkommission und einem außerbayerischen Gastrichter.  

 

5. Bewertungskriterien:
Bewertet werden die Merkmale entsprechend dem Zuchtziel der jeweiligen Rasse. Für die Rangierung muss für jede Stute mindestens eine Endnote mit einer Dezimalstelle vergeben werden. In die Endnote fließen auch vorliegende Ergebnisse der Leistungsprüfung der Stute und die Note der Stutbucheintragung ein.

 

6. Auswahlverfahren während der Schau:
Die Kommission rangiert die vorgestellten Stuten entsprechend ihrer Qualität. Die Kommission entscheidet im Vergleich zu der Gesamtpopulation der jeweiligen Rasse, welche Stuten den Titel Staatsprämie (-anwärterin) bzw. Prädikatsstute (-anwärterin) erhalten.

 

7. Bekanntgabe der Ergebnisse auf der Schau:
Die Rangierung der Stuten erfolgt unmittelbar im Schrittring und ist somit für jeden eindeutig zu erkennen. Die Verleihung eines Titels wird im Anschluss an den Schrittring im Beisein der Stuten öffentlich bekannt gegeben und anschließend mittels Ergebnislisten für jedermann zugänglich ausgehangen.

 

München, April 2017

 

 


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